Mein Geburtstag steht fest, mein Sterbetag noch nicht, ich
befinde mich in der Bindestrich-Phase, wenn wir uns die Inschrift eines
Grabsteins vorstellen. Was vielleicht ein wenig makaber klingt, ist doch eine
Tatsache: Auf Grabsteinen sind zumindest neben den Namen der Verstorbenen
Geburts- und Sterbetag (oder Jahrgang) und der Bindestrich eingraviert. Hinzu
können Sinnsprüche oder ein Hinweis auf die Todesursache kommen.
Wer einen Friedhof besucht, muss sich stets bewusst sein,
auf einem Areal unterwegs zu sein, wo Menschen zur letzten Ruhe gebettet worden
sind. Ich gehöre zu jenen Menschen, die den Tod vor sich haben. Das
unterscheidet mich in erster Linie von den Toten, von den in Gräbern ruhenden.
Die Toten rufen uns auf den Friedhöfen manchmal zu: Was ihr seid, das waren wir - was wir sind, das werdet ihr.
Ich könnte nicht versucht sein, diesen Blog zu betreiben,
wenn der Tod für mich keinen Stellenwert hätte bzw. ich dazu tendierte, ihn zu
verdrängen. Friedhöfe verdeutlichen die Endlichkeit allen Lebens, verweisen
aber gleichzeitig auf das Wunder des Lebens. Auf der Welt zu sein, zu
existieren, zu atmen, zu denken, zu lieben, Freud und Leid zu erleben, das ist
einfach fantastisch! Jene, deren Leben sich mit dem Tod vollendeten, haben wohl
zum Großteil gerne gelebt. Durch den Besuch eines Friedhofes findet auch eine
Verbindung zwischen Toten und Lebenden statt. Gräber erzählen Geschichten,
Friedhöfe vereinigen in sich unzählige vollendete Leben.
Mir ist es ein Bedürfnis, mein Leben ein Stück weit dem
Thema Friedhöfe zu widmen. Ich bin freilich nicht ausschließlich passionierter
Friedhofsgänger, es gibt auch ein Leben außerhalb des Friedhofs. Wer eine
andere Seite von mir kennen lernen will, ist herzlich dazu eingeladen, meine
Autoren-Website zu besuchen, wo ich auch – augenzwinkernd – als Literaturexperte
auftrete.

