Samstag, 30. April 2016

Menschliches, Allzumenschliches

Mein Geburtstag steht fest, mein Sterbetag noch nicht, ich befinde mich in der Bindestrich-Phase, wenn wir uns die Inschrift eines Grabsteins vorstellen. Was vielleicht ein wenig makaber klingt, ist doch eine Tatsache: Auf Grabsteinen sind zumindest neben den Namen der Verstorbenen Geburts- und Sterbetag (oder Jahrgang) und der Bindestrich eingraviert. Hinzu können Sinnsprüche oder ein Hinweis auf die Todesursache kommen.

Wer einen Friedhof besucht, muss sich stets bewusst sein, auf einem Areal unterwegs zu sein, wo Menschen zur letzten Ruhe gebettet worden sind. Ich gehöre zu jenen Menschen, die den Tod vor sich haben. Das unterscheidet mich in erster Linie von den Toten, von den in Gräbern ruhenden. Die Toten rufen uns auf den Friedhöfen manchmal zu: Was ihr seid, das waren wir - was wir sind, das werdet ihr.

Ich könnte nicht versucht sein, diesen Blog zu betreiben, wenn der Tod für mich keinen Stellenwert hätte bzw. ich dazu tendierte, ihn zu verdrängen. Friedhöfe verdeutlichen die Endlichkeit allen Lebens, verweisen aber gleichzeitig auf das Wunder des Lebens. Auf der Welt zu sein, zu existieren, zu atmen, zu denken, zu lieben, Freud und Leid zu erleben, das ist einfach fantastisch! Jene, deren Leben sich mit dem Tod vollendeten, haben wohl zum Großteil gerne gelebt. Durch den Besuch eines Friedhofes findet auch eine Verbindung zwischen Toten und Lebenden statt. Gräber erzählen Geschichten, Friedhöfe vereinigen in sich unzählige vollendete Leben.


Mir ist es ein Bedürfnis, mein Leben ein Stück weit dem Thema Friedhöfe zu widmen. Ich bin freilich nicht ausschließlich passionierter Friedhofsgänger, es gibt auch ein Leben außerhalb des Friedhofs. Wer eine andere Seite von mir kennen lernen will, ist herzlich dazu eingeladen, meine Autoren-Website zu besuchen, wo ich auch – augenzwinkernd – als Literaturexperte auftrete.

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